SEITE: 199/200 Moritz Th. Keine Kommentare Kommentar hinzufügen
Stelle:

«Nichts konnte sie vor völliger Verworrenheit retten, als dass sie jeden Tag ihre Pflicht tat.»

Anmerkung:

Charlotte wird bald das Kind gebären; Ottilies Stellung wird zunehmend misslich. Steht sie mit ihrem Festhalten an Eduard nicht dem Familienglück im Wege? Der Autor findet die Lösung in einer per Autopilot gesteuerten Pflichterfüllung. Tut er ein bisschen zuviel des Guten, indem er uns auch Einblick in Ottilies Tagebücher gewährt, die jede Selbstreflexion meiden? – Bei der Taufe des Knaben stirbt der greise Geistliche, er wird von Mittler quasi sanft ins Jenseits beordert. «Ottilie allein betrachtete den Eingeschlummerten (…) mit einer Art von Neid. Das Leben ihrer Seele war getötet, warum sollte der Körper noch erhalten bleiben?» (p. 200). So explizit war Ottiliens Zustand in den vergangenen Kapiteln kaum thematisiert; auffällig war nur die Passivität, die sie sowohl in der beschaulichen Phase (mit dem sie verehrenden Architekten) wie auch im Lucianesche Wirbelsturm an den Tag legte. – Ottilie erfreut sich dann am Gartenfrühling und trägt Sorge für das Kind, dem einst diese ganze Umgebung gehören soll, in einem Familienidyll; sie nimmt sich selbst dabei quasi aus der Gleichung.

 

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