Jenseits der Dinge
Autor:
Vera Hohleiter
Verlag: Edition Bücherlese
Genre: Belletristik
Erscheinungsjahr: 2025
Weitere bibliographische Angaben
ISBN: 978-3-03981-018-5
Einbandart: Hardcover
Seitenzahl: 240
Sprache: Deutsch
Besprechung
Moritz Th.
Bewertungen
Besprechung
Emotionen bestimmen unseren Alltag. Die Wissenschaft beschäftigt sich vornehmlich mit negativen Gefühls-Ausschlägen, mit Depressionen oder Neurosen. Positive Emotionen, Freude oder Gelassenheit, haben nicht die selbe Aufmerksamkeit erfahren, obwohl sie für das psychische Gleichgewicht essentiell sind.
Ein Schweizer Psychologenteam hat sich in diesem Roman zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen von regelmässiger Meditation auf die Gefühlswelt zu erforschen. Zu diesem Zweck hat es eine Gruppe von buddhistischen Mönchen aus Südkorea in die Schweiz eingeladen. Mit Elektroenzephalographie und funktioneller Magnetresonanztomographie soll nachgewiesen werden, wie die Gehirne der Mönche auf Impulse von aussen reagieren. In einer Phase der Studie sollen die Probanden meditieren.
In der reizvollen Konstellation dieses Romans ist allerdings das Personal, das die Experimente durchführt, zunächst mit den eigenen Emotionen und Konflikten beschäftigt. Die Psychologin Oona sieht sich mit ihrem Ex-Partner Q konfrontiert, einem in der Schweiz aufgewachsenen Koreaner, der sich als Geldgeber der Studie mit etwas undurchsichtigen Motiven selbst aktiv an den Experimenten beteiligen will. Q vermag es immer noch, mit kleinen Provokationen bei Oona Gefühlsstürme hervorzurufen. Q selbst scheint unter Selbsthass zu leiden. Der kürzliche verwitwete Studienleiter Paul hat mit der Teenager-Tochter Kaja seine eigenen Sorgen. Jessica, ein anderes Team-Mitglied, buhlt bei ihm vergeblich um mehr Aufmerksamkeit.
Die Pointe des Romans ist nun, dass die Figuren fast alles Psychologie-Fachleute sind, und ihre eigenen irrationalen Verhaltensweisen eigentlich ganz gut durchschauen. Die Autorin zeigt alle Figuren in Selbstreflexion, sie zeigt transparent, wie sie ihre Emotionen zu beherrschen versuchen. Dabei spielt die Autorin mit allerlei psychologischen Klischees. Dies ist aber im Rahmen des Romans, den man selbst als eine Versuchsanlage verstehen kann, durchaus stimmig.
Lange erscheint Jibong, der älteste der Mönche, als ruhender Gegenpol zum Personal am Institut, er nimmt Anteil am Gefühlswirrwarr seiner Gastgeber - bis auch ihn Emotionen und seine Vergangenheit einholen. Der Roman wirft ein Schlaglicht auf die brutale südkoreanische Militärdiktatur in den 1970er und 1980er Jahren, an die man sich in Europa wenig erinnert, wenn auch zuletzt die Literaturnobelpreis-Trägerin Han Kang in «Menschenwerk» wieder eindringlich darauf hingewiesen hat.
Die Autorin selbst hat mehrere Jahre in Korea gelebt; sie schildert anschaulich die Schwierigkeiten der interkulturellen Begegnungen. Jibong bringt Q, der an der Schnittstelle der Kulturen lebt, die buddhistische Weisheit des Beobachtens und des Nicht-Festhaltens bei. Dieses Prinzip praktiziert auch der Text selbst, er beschreibt die Figuren und ihre Geschichten sorgfältig, lässt sie im richtigen Moment aber wieder los – mit einer schönen Leichtigkeit als Resultat. Mit «Jenseits der Dinge» ist Vera Hohleiter ein beeindruckendes Debüt geglückt.
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Ein Schweizer Psychologenteam hat sich in diesem Roman zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen von regelmässiger Meditation auf die Gefühlswelt zu erforschen. Zu diesem Zweck hat es eine Gruppe von buddhistischen Mönchen aus Südkorea in die Schweiz eingeladen. Mit Elektroenzephalographie und funktioneller Magnetresonanztomographie soll nachgewiesen werden, wie die Gehirne der Mönche auf Impulse von aussen reagieren. In einer Phase der Studie sollen die Probanden meditieren.
In der reizvollen Konstellation dieses Romans ist allerdings das Personal, das die Experimente durchführt, zunächst mit den eigenen Emotionen und Konflikten beschäftigt. Die Psychologin Oona sieht sich mit ihrem Ex-Partner Q konfrontiert, einem in der Schweiz aufgewachsenen Koreaner, der sich als Geldgeber der Studie mit etwas undurchsichtigen Motiven selbst aktiv an den Experimenten beteiligen will. Q vermag es immer noch, mit kleinen Provokationen bei Oona Gefühlsstürme hervorzurufen. Q selbst scheint unter Selbsthass zu leiden. Der kürzliche verwitwete Studienleiter Paul hat mit der Teenager-Tochter Kaja seine eigenen Sorgen. Jessica, ein anderes Team-Mitglied, buhlt bei ihm vergeblich um mehr Aufmerksamkeit.
Die Pointe des Romans ist nun, dass die Figuren fast alles Psychologie-Fachleute sind, und ihre eigenen irrationalen Verhaltensweisen eigentlich ganz gut durchschauen. Die Autorin zeigt alle Figuren in Selbstreflexion, sie zeigt transparent, wie sie ihre Emotionen zu beherrschen versuchen. Dabei spielt die Autorin mit allerlei psychologischen Klischees. Dies ist aber im Rahmen des Romans, den man selbst als eine Versuchsanlage verstehen kann, durchaus stimmig.
Lange erscheint Jibong, der älteste der Mönche, als ruhender Gegenpol zum Personal am Institut, er nimmt Anteil am Gefühlswirrwarr seiner Gastgeber - bis auch ihn Emotionen und seine Vergangenheit einholen. Der Roman wirft ein Schlaglicht auf die brutale südkoreanische Militärdiktatur in den 1970er und 1980er Jahren, an die man sich in Europa wenig erinnert, wenn auch zuletzt die Literaturnobelpreis-Trägerin Han Kang in «Menschenwerk» wieder eindringlich darauf hingewiesen hat.
Die Autorin selbst hat mehrere Jahre in Korea gelebt; sie schildert anschaulich die Schwierigkeiten der interkulturellen Begegnungen. Jibong bringt Q, der an der Schnittstelle der Kulturen lebt, die buddhistische Weisheit des Beobachtens und des Nicht-Festhaltens bei. Dieses Prinzip praktiziert auch der Text selbst, er beschreibt die Figuren und ihre Geschichten sorgfältig, lässt sie im richtigen Moment aber wieder los – mit einer schönen Leichtigkeit als Resultat. Mit «Jenseits der Dinge» ist Vera Hohleiter ein beeindruckendes Debüt geglückt.
Kommentar
Peter Thiel ist Tech-Investor, Milliardär und einer der Vordenker des Silicon Valley, der Donald Trump bereits in der Präsidentschaftswahl 2016 unterstützt hatte. Damals war er ein Aussenseiter im zwar libertär-staatskritischen, aber den Demokraten zuneigenden Milieu der Gründer von Google, Facebook & Co. Heute scheinen manche seiner Positionen im Silicon Valley mehrheitsfähig, und man kann nur spekulieren, inwieweit er die US-Regierung beeinflusst – der US-Vizepräsident und Neo-Katholik J.D. Vance ist früh und massiv von Thiel gefördert worden.
Thiel redet zu Beginn des Interviews viel von Stagnation in den letzten 50 Jahren. Das mag auf den ersten Blick erstaunen, aber tatsächlich haben sich einige hoffnungsvolle Projektionen aus dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts nicht erfüllt, trotz Internet und Smartphone. Thiel zitiert den langsamen Fortschritt in der Demenzforschung als Beispiel.
Im Lauf des Interviews zeigt sich aber, dass Thiel eigentlich von einer viel grundlegenderen, existenziellen Stagnation redet, die es zu beenden gilt: Die Überwindung der Sterblichkeit, die Verwandlung des Menschen in etwas Transhumanes.
Dies erklärt das lange Zögern Thiels in der zitierten Interviewpassage, auf die scheinbar leicht zu beantwortende Frage, ob er möchte, dass die Menschheit überdauern soll. Als er sich endlich zu einem Ja durchringt, folgt ein gewichtiges Aber: Überleben ja, aber wir sollten uns radikal verändern. Es mag nun überraschen, dass damit nicht nur eine durch das Silicon Valley induzierte technologische Transformation gemeint ist, sondern dass es Thiel auch um eine Verwandlung im biblischen Sinne geht. Thiel hat das Ende der Zeiten im Blick, er sieht den Anti-Christen heraufziehen, in Form des Weltstaats. Erste Vorboten sind die UNO und die WHO – und Greta Thunberg, die Thiel mehrfach nennt.
Was dagegen hilft? Disruption, Überwindung der Stagnation, Ausfechten des End-Kampfes zwischen Gut (die technischen Innovatoren des Silicon Valley und die rechtgläubigen Christen) und Böse (die woke staatsversessene Linke). Dieses Denken in Endzeit-Kategorien scheint auf Leute wie Thiel beträchtliche Anziehungskraft auszuüben, das Ende der Weltzeit fällt dann zusammen mit dem Ende der persönlichen Lebenszeit.
Wenn man nach Thiels anti-liberalen, fundamentalistischen Wurzeln fragt, stösst man auf den für ihn wichtigen deutsch-amerikanischen Philosophen Leo Strauss (1899 – 1973), der die Notwendigkeit einer übergeordneten, sprich göttlichen Instanz diskutierte, die allein für die wahre Gerechtigkeit sorgen kann.
Peter Thiel erscheint in diesem Interview als – einflussreicher – Apokalyptiker, der den von ihm geförderten technologischen Fortschritt in den Dienst einer christlich-fundamentalistischen Weltsicht stellt.