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Stelle:
«Solange der Wind nachts auf mich fällt, denke ich, kann ich mich tagsüber in den Krieg da draussen stürzen. Gegen meine Mutter, gegen ihre Launen, gegen diese Kleinstadt. Und für Ida.»
Anmerkung:
Rasanter Beginn, durchgetakteter Tag der Ich-Erzählerin in einer tendenziell feindlichen Umgebung, «Krieg da draussen», in der es die kleine Schwester zu beschützen gilt.
Ich habe die selbe Stelle markiert – allerdings beginne ich etwas weiter vorne (Hörbuch: 13:38).
Aber ich möchte das Einschlafen so lange wie möglich hinauszögern, weil das hier mit die besten Momente des Tages sind, die ich nicht weggeben möchte. Diese Momente, die nur mir gehören, in denen ich nichts tun, nichts denken muss. In denen ich einfach nur liegen und die abgekühlte Sommernachtsprise durch die weit geöffneten Fenster auf mich fallen lassen darf… Ich konzentriere mich auf die Geräusche und Gerüche… Dann scheint kurz alles gut zu sein. Dann fühle ich mich leicht. Wenn ich nachts auf meiner Matratze liegen, dann denke ich, dass ich das Ganze da draussen noch lange aushalten kann.
Und mein Kommentar dazu: Für mich ist das eine Schlüsselstelle. Tilda ist einerseits abgeklärt und schafft es, «sich in den Krieg da draussen zu stürzen». Andererseits tobt der Kampf in ihr, sich dem Ganzen zu entziehen. Das spürt man im Buch und im Film.
Erwägt sie wirklich ernsthaft, sich dem Ganzen zu entziehen? Sie geniesst ihre kleinen Freiräume, allein im Bett wie hier, oder beim Tanzen. Aber sie ist unglaublich verantwortungsvoll und weiss, dass Idas Wohlergehen ganz von ihr abhängt.