Besprechung für Sturmhöhe
Fazit zum Hörbuch mit einem Seitenblick auf die Verfilmung von Emerald Fennell, 2026. (Siehe auch die Buch-Besprechung hier: https://lesart.blog/sturmhoehe/)
Gert Westphal liest einmal mehr grossartig, man erkennt jede der Protagonisten umgehend an seiner Stimme. Wie er zum Beispiel Joseph spricht, geht einem direkt unter die Haut – man kann ihn nicht ausstehen, man fürchtet ihn, was genau zu seiner Gestalt passt.
Zitat aus Buch und Hörbuch «Wuthering ist ein trefflicher mundartlicher Ausdruck, um die Aufruhr der Lüfte zu beschreiben, die dieser Ort bei stürmischem Wetter ausgesetzt ist» beschreibt das düstere, beinahe unerträgliche hin und her der Hauptfiguren.
Ein furchtbarer, intensiver und leidenschaftlicher Roman: Mit Wucht führt Emily Brontë das zornige Findelkind Heathcliff und die wilde, ungebändigte Catherine zusammen, die in ihrer alles verzehrenden Liebe schliesslich zerbrechen. Aus ihren seelischen Verletzungen wachsen Hass und Verzweiflung wie dunkle Geschwüre, die sich über Generationen hinweg ausbreiten und selbst das geliebte Wuthering Heights nicht verschonen.
Lockwood ist im Buch nur Mittel zum Zweck und hat nur zu Beginn eine wichtige Rolle. Und zwar, als er in der Nacht, die er auf Wuthering Heights verbringen muss, dem Geist von Catherine begegnet.
Die Agenda von Nelly, die im Film besser zur Geltung kommt wie im Buch, beruht auf Eifersucht. Sie ist die Tochter der Amme auf Wutherhing Heights und bis zur Ankunft von Heathcliff Spielgefährtin der Kinder, vor allem von Catherine. Im Film wird das zu Beginn klar gezeigt. Catherine und Nelly schauen sich zusammen eine Hinrichtung an und rennen dann zusammen zurück nach Hause. Warum der Film mit einer im Buch nicht vorkommenden Szene beginnt, ist unklar. Nelly hasst Heathcliff genauso wie sein Stiefbruder Hindley. Das ändert sich erst, als Nelly ihn pflegen muss, als er fast an den Masern stirbt. So traut sie sich durch die ganze Geschichte hindurch, sich ihm auch immer mal wieder entgegenzustellen.
Catherine ist als erwachsene, verheiratete, Frau sehr wankelmütig – im Film ist das zu wenig klar herausgestrichen. Im Buch sagt sie zu Heathcliff, bevor sie stirbt – dass er schuld an ihrem Tod sei. Er und ihr Mann Edgar. Sie will, dass die beiden Männer, die sie liebste, sich verstehen, Freunde werden. Verständlich, dass die Männer, die sie beide liebten, ihr diesen Wunsch nicht erfüllen können.
Der zweite Teil im Buch ist schwächer, die drei Protagonisten Cathy, Linton und Hareton, sind lediglich Marionetten in den Händen von Heathcliff. Darum fehlt diese, die nächste Generation, ganz im Film, diese Weiterentwicklung wäre zudem zu komplex.
Wie Emily Brontë den Hass – und die daraus resultierende Rache – der Protagonisten beschreibt, ist brutal und macht den Roman so düster.
Genealogie Heathcliff sowie die Familien Earnshaw und Linton zum besseren Verständnis der Protagonisten aus Sturmhöhe – Wikipedia:
Die Regisseurin Emerald Fennell verrät in einem Interview mit USA Today Hintergründe zu der Eröffnungsszene:
She added that it was ‘important to acknowledge’ early into the film that ‘arousal and danger are kind of the same thing’.
“And it was important that the first thing we see is Cathy, this young girl, seemingly frightened but then actually delighted. It tells us so much about who she is, but so much about Brontë, too,”
Erregung und Gefahr, Eros und Tod, sollen auf das kommende einstimmen. Dennoch bleibt die Szene ein Fremdkörper im Film (was für einen Prolog allerdings auch gewollt sein kann): kaum je sonst sieht man mehr als maximal oder fünf Personen zusammen in einer Filmszene, Buch und Film sind von der düsteren, einsamen Yorkshire-Landschaft geprägt.