Eugen Onegin
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Besprechung
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«Einst ging auch ich dort bummeln –
Doch mir bekommt der Norden nicht.»
Der Erzähler stellt sich gleich mit vor, Nabokov erklärt im Kommentar, p. 39 dass «gulat» auch auf Zechtour gehen heisst.
«fährt Onegin zum Boulevard
Und schlendert dort ungehindert umher,
bis seine wachsame Bréguet
ihm zum Mittagessen läutet.»
Product Placement im 19. Jahrhundert. Den Leser berührt es seltsam, dass es die Marke noch 200 Jahre später gibt. Ganz ähnlich, wie wenn Samuel Pepys in seinen Tagebüchern (allerdings nochmals 160 Jahre früher) von einem Wein namens «Ho Bryan» schwärmt, gemeint ist Haut Brion, noch heute einer der besten Bordeaux.
Erstaunliche Konstanz der Insignien des Luxus, mit Trüffel und Foie Gras («Strassburger Pastete», Kapitel XVI). Und die Ananas galt im Russland des 19. Jahrhunderts als «Symbol vornehmer Lebensart» (Kommentar p. 85). Daher die Frucht in Majakowskis Spruch «Friss Ananas, Bürger, und Haselhuhn, musst bald deinen letzten Seufzer tun.» ein Jahrhundert später. Und das Geflügel hatte in einer gestrichenen Variante des Eugen Onegin auch einen kurzen Auftritt.
«Man kann ein tatkräftiger Mann sein
Und doch an die Schönheit seiner Nägel denken.»
Im rauhen 20. Jahrhundert dann eher nicht mehr…
Auftritt von zwei Füsschen
Von herrlicher Luftig- und Leichtigkeit diese Szenen nach der Ankunft am Ball. Nabokov nennt die «pedische Abschweifung» «eines der Wunder dieses Werkes», Verweis auf Goethe (vgl Notiz zu den Wahlverwandtschaften p. 89 hier: Die Wahlverwandtschaften : Lesart blog)
«Das Glück der Jugendjahre verschwand
wie auf den Wiesen eure leichte Spur» p. 82
Kapitel Eins, XXXV
Der Ball ist zuende, der Held auf dem Heimweg, der St. Petersburger Alltag erwacht. Übergang von Nacht in den neuen Tag poetisch in Szene gesetzt, aber auch die Begegnung der Klassen, die denselben Ort und doch ganz unterschiedliche Planeten bewohnen.
Kapitel Eins, XXXVII
Der noble Herr hat alles gesehen, Überdruss an Luxus und Liebesleben (inkl Duellen, wie Nabokov im Kommentar andeutet)
«Nein, früh erkalteten seine Gefühle
Gesellschaftlicher Trubel ward ihm über»
«nichts rührte ihn
er nah, von nichts Notiz»
Ein dandyhafter Nihilismus, nobler Überdruss, den ein wenig später auch Lermontovs Held unserer Zeit kannte.
Kaiptel eins, XLV
Nichts reizt Eugen mehr, weder Frauen noch Bücher (erfahren wir in den Kapiteln zuvor). An diesem Tiefpunkt lernen sich der Ich-Erzähler, ebenfalls voller Überdruss, und Eugen kennen.
In LVI p. 93 versucht sich der Ich-Erzähler von Onegin abzugrenzen, er nimmt vorweg, dass man Eugen für ein Selbstportrait halten wird. Anders als Eugen liebt der Ich-Erzähler das Landleben.
Kapitel eins, LIV, Kommentar
Kommentar p. 228 – 233
«Das Glucksen des stillen Bachs»(p. 92) auf Onegins Landgut nimmt Nabokov zum Anlass für einen sechsseitigen Exkurs, Herleitung des Bachs aus der europäischen Literaturgeschichte, späteres Wiedererscheinen des Bachs im «Onegin».