Sturmhöhe
Autor:
Emily Brontë
Verlag: dtv
Genre: Belletristik
Erscheinungsjahr: 2014
Weitere bibliographische Angaben
ISBN: 978-3-423-14355-4
Einbandart: Taschenbuch
Seitenzahl: 464
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Wuthering Heights
Originalsprache: Englischj
Erscheinungsjahr Originalausgabe: 1847
Übersetzung: Michaela Meßner
Besprechung
Moritz Th.
Bewertungen
Besprechung
(Notiz zum Film am Ende der Besprechung)
Was für ein Auftakt! Der arglose Ich-Erzähler Lockwood hat das Gut Thrusscross Grange gepachtet und besucht den Besitzer Heathcliff auf Wuthering Heights, das sich als unheimliches Anwesen entpuppt, mit unfreundlichen Bewohnern, bissigen Hunden und garstiger Atmosphäre. Ein Schneesturm zwingt Lockwood, in Wuthering Heights zu übernachten, wo er von Alpträumen heimgesucht wird, die sich nach dem Erwachen fortsetzen.
Auch wenn er am nächsten Tag froh ist, Wuthering Heights zu entkommen, übt der verwahrloste Gutshof eine magnetische Anziehungskraft auf Lockwood aus, was nicht nur mit der hübschen jungen Cathy zu tun hat, die dort haust und in die er sich offenbar spontan verliebt hat. Wuthering Heights ist das Gravitationszentrum dieses Buches, zu dem es die Hauptfiguren immer wieder hinzieht. Lockwood lässt sich jetzt von seiner Haushälterin Ellen «Nelly» Dean die Geschichte von Wuthering Heights erzählen.
Catherine, die Mutter von Cathy, und das Findelkind Heathcliff wachsen dort zusammen auf, sie ist spontan, wild, offenherzig, er ist verschlossen, wortkarg und nach dem Tod seines Adoptivvaters den Launen seines älteren, eifersüchtigen Stiefbruders Hindley ausgeliefert. Catherine und Heathcliff sind unzertrennlich und unzähmbar, häufig draussen, unterwegs in der Moorlandschaft. Hindley verfällt der Alkohol- und Spielsucht und lässt den Gutshof zerfallen. Als die reiche Familie Linton mit einem Sohn im richtigen Alter in das vier Meilen entfernte Thrusscross Grange einzieht, sieht Catherine ihre Chance gekommen, der Armut und Wuthering Heights zu entkommen. Sie verrät ihre Liebe zu Heathcliff, heiratet Edgar Linton und zieht in das luxuriöse Grange-Gut.
Mit ihr: Nelly, die Haushälterin, die eine leicht dubiose Rolle spielt, sie ist neugierig, weiss alles. Verfolgt sie eine eigene Agenda? – Heathcliff verschwindet für lange Zeit von der Bildfläche. Was ausserhalb von Heights und Grange passiert, ist für diese Roman-Welt ohne Belang. Ohne Heathcliff geht das Leben seinen gemächlichen Gang, in einem für Catherine vielleicht etwas langweiligem Idyll. Als Heathcliff als Mann von Welt zurückkehrt, nach wie vor von Catherine besessen, spitzt sich die Handlung zu: Catherine ist ausser sich vor Freude, und räumt Heathcliff sogleich wieder einen Platz in ihrem Leben ein, was zu schweren Spannungen mit Edgar führt. Sie ist hin- und hergerissen, zwischen Loyalität zu ihrem Ehemann, und ihrer Liebe zu Heathcliff. Heathcliff rächt sich an Edgar und an Catherine, indem er die ihm verfallene und von ihm verachtete Schwester Edgars Isabella heiratet und unmenschlich behandelt. Die Konflikte führen zu einer Erkrankung der hochschwangeren Catherine, die schliesslich stirbt; das Töchterchen Cathy überlebt.
Heathcliff ist am Boden zerstört, richtet seinen Hass jetzt aber auf die Familie Linton, und insbesondere auf die heranwachsende Cathy. Heathcliff ist der ruchlose Manipulator, dem niemand gewachsen ist. Zugleich wird er vom Geist Catherines heimgesucht. Das erfahren wir, weil auch Heathcliff sich in schwachen Stunden Nelly anvertraut.
Es gelingt Emily Brontë, die Spannung auch nach Catherines Tod aufrecht zu erhalten. Heathcliffs Obsession hält die Mit-Figuren und die Leser in Atem, bis sie sich am Ende gegen ihn selbst wendet. Die Heimsuchungen von Catherines Geist haben ihn erschöpft, er stirbt, dem Wahnsinn nahe. Catherine hat ihn quasi zu sich geholt, als er ihrem Geist in einer Regennacht das Fenster seiner Kammer geöffnet hat. Diese Interpretation liegt nahe, wenn man sich noch an den Alptraum des Ich-Erzählers Lockwood in eben dieser Kammer zu Beginn der Erzählung erinnert.
Damit scheint der Weg frei für die aufkeimende Liebe zwischen Cathy und ihrem Cousin Hareton, die in mancherlei Hinsicht an die frühe Liebe zwischen Catherine und Heathcliff erinnert.
«Wuthering Heights» ist die verstörende Darstellung einer Leidenschaft, die auf übermässige Psychologisierung verzichtet und viel Raum für Interpretationen lässt – mit ein Grund für die anhaltende Popularität des einzigen Romans der jung verstorbenen Emily Brontë, der hier in der zuverlässigen Übersetzung von Michaela Meßner vorliegt.
PS: Das Erscheinen von Catherines Geist am Fenster von Heathcliffs Kammer thematisiert Kate Bush in ihrem grossartigem Song «Wuthering Heights», «let me in your window!»: https://www.youtube.com/watch?v=8kIWeFu2E8Q&list=RD8kIWeFu2E8Q&start_radio=1
Film «Wuthering Heights»
Regie und Drehbuch: Emerald Lilly Fennell
Hauptrollen: Margot Robbie und Jacob Elordi
2026, 136 Minuten
Der Film konzentriert sich ganz auf die Geschichte von Heathcliff und Catherine bis zum Tod von Catherine, und unterschlägt die Fortsetzung des Dramas in der nächsten Generation, die es eben im Film gar nicht gibt. Damit wird die Buch-Story um mehr als die Hälfte gekürzt, der Film kann sich ganz auf Catherine und Heathcliff konzentrieren.
Das Buch lebt stark von der unterschwelligen Leidenschaft zwischen Catherine und Heathcliff. Der Film reflektiert das mit reichlich erotischer Symbolik, passend zum Stil der Überfrachtung, den die Regisseurin Emerald Fennell konsequent anwendet. Leider walzt dann aber der Film die Liebesszenen zwischen Catherine und Heathcliff im zweiten Teil immer weiter aus, die beiden küssen und lieben sich in unterschiedlichen Settings und Kostümen, eine etwas belanglose Parade, die dem Film über eine weite Strecke seine Dringlichkeit nimmt.
Dennoch ist der Film empfehlenswert. Überwältigend schöne Bilder holen die Obsessions-Essenz aus dem Stoff. Grossartig inszenierte Moor- und Heidelandschaft, die Figuren darin gefangen, aber auch in den atemberaubenden Interieurs, dem Höllenloch Wuthering Heigths steht das luxuriös ausgestatte Thrusscross Grange gegenüber.
Der Film akzentuiert die im Buch zurückhaltend angelegte eigene Agenda der wichtigen Neben-Figur Nelly, die immer alles sieht. Catherines Vater Earnshaw und ihr Bruder Hindley werden zu einer Filmfigur verschmolzen, auch dies eine Komplexitätsreduktion, die dem Film zugute kommt.
Heathcliffs Rachefeldzug ist masslos, aber er scheint seinen Gefühlen wie einer Naturgewalt ausgeliefert, der Film zeigt seine sadistischen Züge, insbesondere in der Misshandlung seiner Frau Isabella, evoziert aber auch Verständnis für den von Catherine Verratenen. Jacob Elordi spielt diese dämonische Figur souverän; ebenso überzeugend ist die intensive Präsenz von Margot Robbie als Catherine.
Mehr zeigen...
Was für ein Auftakt! Der arglose Ich-Erzähler Lockwood hat das Gut Thrusscross Grange gepachtet und besucht den Besitzer Heathcliff auf Wuthering Heights, das sich als unheimliches Anwesen entpuppt, mit unfreundlichen Bewohnern, bissigen Hunden und garstiger Atmosphäre. Ein Schneesturm zwingt Lockwood, in Wuthering Heights zu übernachten, wo er von Alpträumen heimgesucht wird, die sich nach dem Erwachen fortsetzen.
Auch wenn er am nächsten Tag froh ist, Wuthering Heights zu entkommen, übt der verwahrloste Gutshof eine magnetische Anziehungskraft auf Lockwood aus, was nicht nur mit der hübschen jungen Cathy zu tun hat, die dort haust und in die er sich offenbar spontan verliebt hat. Wuthering Heights ist das Gravitationszentrum dieses Buches, zu dem es die Hauptfiguren immer wieder hinzieht. Lockwood lässt sich jetzt von seiner Haushälterin Ellen «Nelly» Dean die Geschichte von Wuthering Heights erzählen.
Catherine, die Mutter von Cathy, und das Findelkind Heathcliff wachsen dort zusammen auf, sie ist spontan, wild, offenherzig, er ist verschlossen, wortkarg und nach dem Tod seines Adoptivvaters den Launen seines älteren, eifersüchtigen Stiefbruders Hindley ausgeliefert. Catherine und Heathcliff sind unzertrennlich und unzähmbar, häufig draussen, unterwegs in der Moorlandschaft. Hindley verfällt der Alkohol- und Spielsucht und lässt den Gutshof zerfallen. Als die reiche Familie Linton mit einem Sohn im richtigen Alter in das vier Meilen entfernte Thrusscross Grange einzieht, sieht Catherine ihre Chance gekommen, der Armut und Wuthering Heights zu entkommen. Sie verrät ihre Liebe zu Heathcliff, heiratet Edgar Linton und zieht in das luxuriöse Grange-Gut.
Mit ihr: Nelly, die Haushälterin, die eine leicht dubiose Rolle spielt, sie ist neugierig, weiss alles. Verfolgt sie eine eigene Agenda? – Heathcliff verschwindet für lange Zeit von der Bildfläche. Was ausserhalb von Heights und Grange passiert, ist für diese Roman-Welt ohne Belang. Ohne Heathcliff geht das Leben seinen gemächlichen Gang, in einem für Catherine vielleicht etwas langweiligem Idyll. Als Heathcliff als Mann von Welt zurückkehrt, nach wie vor von Catherine besessen, spitzt sich die Handlung zu: Catherine ist ausser sich vor Freude, und räumt Heathcliff sogleich wieder einen Platz in ihrem Leben ein, was zu schweren Spannungen mit Edgar führt. Sie ist hin- und hergerissen, zwischen Loyalität zu ihrem Ehemann, und ihrer Liebe zu Heathcliff. Heathcliff rächt sich an Edgar und an Catherine, indem er die ihm verfallene und von ihm verachtete Schwester Edgars Isabella heiratet und unmenschlich behandelt. Die Konflikte führen zu einer Erkrankung der hochschwangeren Catherine, die schliesslich stirbt; das Töchterchen Cathy überlebt.
Heathcliff ist am Boden zerstört, richtet seinen Hass jetzt aber auf die Familie Linton, und insbesondere auf die heranwachsende Cathy. Heathcliff ist der ruchlose Manipulator, dem niemand gewachsen ist. Zugleich wird er vom Geist Catherines heimgesucht. Das erfahren wir, weil auch Heathcliff sich in schwachen Stunden Nelly anvertraut.
Es gelingt Emily Brontë, die Spannung auch nach Catherines Tod aufrecht zu erhalten. Heathcliffs Obsession hält die Mit-Figuren und die Leser in Atem, bis sie sich am Ende gegen ihn selbst wendet. Die Heimsuchungen von Catherines Geist haben ihn erschöpft, er stirbt, dem Wahnsinn nahe. Catherine hat ihn quasi zu sich geholt, als er ihrem Geist in einer Regennacht das Fenster seiner Kammer geöffnet hat. Diese Interpretation liegt nahe, wenn man sich noch an den Alptraum des Ich-Erzählers Lockwood in eben dieser Kammer zu Beginn der Erzählung erinnert.
Damit scheint der Weg frei für die aufkeimende Liebe zwischen Cathy und ihrem Cousin Hareton, die in mancherlei Hinsicht an die frühe Liebe zwischen Catherine und Heathcliff erinnert.
«Wuthering Heights» ist die verstörende Darstellung einer Leidenschaft, die auf übermässige Psychologisierung verzichtet und viel Raum für Interpretationen lässt – mit ein Grund für die anhaltende Popularität des einzigen Romans der jung verstorbenen Emily Brontë, der hier in der zuverlässigen Übersetzung von Michaela Meßner vorliegt.
PS: Das Erscheinen von Catherines Geist am Fenster von Heathcliffs Kammer thematisiert Kate Bush in ihrem grossartigem Song «Wuthering Heights», «let me in your window!»: https://www.youtube.com/watch?v=8kIWeFu2E8Q&list=RD8kIWeFu2E8Q&start_radio=1
Film «Wuthering Heights»
Regie und Drehbuch: Emerald Lilly Fennell
Hauptrollen: Margot Robbie und Jacob Elordi
2026, 136 Minuten
Der Film konzentriert sich ganz auf die Geschichte von Heathcliff und Catherine bis zum Tod von Catherine, und unterschlägt die Fortsetzung des Dramas in der nächsten Generation, die es eben im Film gar nicht gibt. Damit wird die Buch-Story um mehr als die Hälfte gekürzt, der Film kann sich ganz auf Catherine und Heathcliff konzentrieren.
Das Buch lebt stark von der unterschwelligen Leidenschaft zwischen Catherine und Heathcliff. Der Film reflektiert das mit reichlich erotischer Symbolik, passend zum Stil der Überfrachtung, den die Regisseurin Emerald Fennell konsequent anwendet. Leider walzt dann aber der Film die Liebesszenen zwischen Catherine und Heathcliff im zweiten Teil immer weiter aus, die beiden küssen und lieben sich in unterschiedlichen Settings und Kostümen, eine etwas belanglose Parade, die dem Film über eine weite Strecke seine Dringlichkeit nimmt.
Dennoch ist der Film empfehlenswert. Überwältigend schöne Bilder holen die Obsessions-Essenz aus dem Stoff. Grossartig inszenierte Moor- und Heidelandschaft, die Figuren darin gefangen, aber auch in den atemberaubenden Interieurs, dem Höllenloch Wuthering Heigths steht das luxuriös ausgestatte Thrusscross Grange gegenüber.
Der Film akzentuiert die im Buch zurückhaltend angelegte eigene Agenda der wichtigen Neben-Figur Nelly, die immer alles sieht. Catherines Vater Earnshaw und ihr Bruder Hindley werden zu einer Filmfigur verschmolzen, auch dies eine Komplexitätsreduktion, die dem Film zugute kommt.
Heathcliffs Rachefeldzug ist masslos, aber er scheint seinen Gefühlen wie einer Naturgewalt ausgeliefert, der Film zeigt seine sadistischen Züge, insbesondere in der Misshandlung seiner Frau Isabella, evoziert aber auch Verständnis für den von Catherine Verratenen. Jacob Elordi spielt diese dämonische Figur souverän; ebenso überzeugend ist die intensive Präsenz von Margot Robbie als Catherine.
Kommentar
Die Grossmutter aus Kamerun ist nach Europa gekommen, zu ihrer Tochter und ihrer Enkelin. Die Enkelin hört es nicht gern, dass ihre Grossmutter Trübsal bläst, jetzt, da sie ihren ungeliebten Ehemann und Plagegeist endlich losgeworden ist. Jetzt muss sie doch das Leben geniessen, glücklich sein. Doch die Grossmutter weiss, dass die Abwesenheit des Unglücks allein noch nicht glücklich macht. Ein Leben lang hat sie ihre Gefühle unterdrückt, hat sich angepasst, die Resignation ist Teil ihrer Identität geworden, die sie auch nach dem Tod des Ehemanns mit sich schleppt. Sie wurde von Anfang an zur Duldsamkeit, zur Traurigkeit erzogen, als sei dies das unabänderliche Schicksal einer Frau und Mutter. Sie muss das Glücklichsein erst mühsam erlernen, wie eine Sprache. – Melara Mvogdobo streut immer wieder beiläufig solche Sätze ein, die einem zum Nachdenken bringen.