Buch im Fokus #62

05.05.2026
In «Buch in Fokus» stellen wir heute «Temná» von Katja Fusek vor, die am Samstag, 9. Mai im Rahmen des Literaturfestivals Trafohalle Bottmingen aus ihrem Roman vorlesen wird. In «Temná» verknüpfen sich in Basel die Lebenswege von drei Frauen mit unterschiedlichem Hintergrund, die vor unbequeme Entscheidungen gestellt werden. Das 2. Literaturfestival der Trafohalle Bottmingen wird heute eröffnet. Noch bis zum 9. Mai haben Sie Gelegenheit, 25 Autorinnen und Autoren aus der Region zuzuhören, wenn sie ihre Texte vortragen. Aus mehr als 90 Eingaben hat die Festival-Jury diese Auswahl getroffen. Kommen Sie heute Abend oder in den nächsten Tagen nach Bottmingen, es lohnt sich! Lesart.blog ermöglicht auch den online-Zugang zu ausgewählten Texten, die am Festival vorgetragen werden, in den Kategorien  «1000 Worte – Kurzlesungen», «Lyrik und Poesie» sowie «U25». Lesen und diskutieren Sie mit!
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Dieses Buch wird besprochen in: Literaturfestival_Literatur in der Trafohalle Ausleihen
Partner-Bibliothek GGG Stadtbibliothek Basel
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Birsig Buchhandlung Binningen, Partner-Buchhandlung des 2. Literaturfestivals Trafohalle Bottmingen

Temná

Autor/in: Katja Fusek
Verlag: edition 8
Genre: Belletristik
Erscheinungsjahr: 2025
Weitere bibliographische Angaben
ISBN: 978-3-85990-572-6
Einbandart: gebunden
Seitenzahl: 192
Sprache: Deutsch
Besprechung Dani

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Inhalt

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Besprechung

Drei Frauen, drei Generationen, drei Schicksale, die unterschiedlicher nicht sein könnten, drei Fäden, die sich zu einer feinfühligen und faszinierenden Geschichte verweben.
Die siebzigjährige Tonka aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die als Kind mit ihrer Mutter in der Schweiz flüchten musste, weil sie von den Roma abstammt, arbeitet immer noch als Steinmetzin.
Die zweiundvierzigjährige Ingrid, Übersetzerin und ehemaliges Tageskind von Tonka, versucht, sich immer noch in ihrem Leben zurechtzufinden und hadert mit Tonka, zu der sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr pflegt.
Die siebzehnjährige Jill aus Schottland, in die Schweiz gezogen zu ihrer Mutter, will ihr Deutsch verbessern und interviewt deshalb Tonka zu ihrem Leben auf dem Korrespondenzweg.
Tonka besitzt in Temná, einem kleinen Ort im Länderdreieck Deutschland, Polen und Tschechien noch ein altes Haus, wohin sie manchmal zurückkehrt, um nach dem Rechten zu schauen und in ihre Vergangenheit einzutauchen. Von dort schreibt sie Jill und erzählt aus ihrem Leben. Jill wiederum wird von Ingrid in Deutsch unterrichtet, was sich als Ferienvertretung für eine Freundin zufällig ergeben hat. Ingrid, eine eher introvertierte Persönlichkeit, hat nicht nur Jills Unterricht übernommen, sondern gleichzeitig wohnt sie auch in der Wohnung der Freundin, wo sie zunächst etwas widerwillig den Nachbarn kennenlernt. Dann brennt unmittelbar in der Nähe ein Gartenhaus ab, ein scheinbar beiläufiges Ereignis, welches den weiteren Verlauf der Handlung des Romans prägen wird.

Fesselnd sind die Geschichten in der Geschichte. Die Reminiszenzen von Tonka, die den Leser oft berühren, erschüttern, erstaunen, aber auch schmunzeln lassen. Wie die Anekdote von ihrer Mutter, die das Ostblock-Schweizerdeutsch kurzerhand zum Bündner Dialekt erklärt oder die Aussage: »In der Schweiz schimpft uns niemand Zigeunergesindel, sondern man nannte uns das Pack aus dem Ostblock. Das tönte in meinen Ohren nach einer Verbesserung.« Tonka be-trachtet ihr Leben mit einem ironischen Blick, ohne Verbitterung, das Schicksal akzeptierend. Das gelingt Ingrid weniger gut, auch wegen des Bruchs mit Tonka. Trotzdem findet Ingrid im Laufe der Geschichte Halt beim Nachbarn und bei der jungen Jill.

»Temná« zeigt sich als ein leichtfüssiges Buch, ohne die Tragik der Schicksale zu verleugnen. Mit viel Gespür für das Positive und mit einem feinsinnigen Witz hat Katja Fusek einen Roman geschrieben, der nachhallt und ein gutes Gefühl schenkt.

Biografie der Autorin:
• Geboren am 7. März 1968 in Prag, in der damaligen Tschechoslowakei.
• 1978 Umzug in die Schweiz, nach Basel.
• 1987 – 1996 Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und der Französischen Litera-tur- und Sprachwissenschaft in Basel und Paris. Ausbildung zur Gymnasiallehrerin.
• Seit 1990 Unterricht an verschiedenen Gymnasien in Basel und in der Normandie und an der Rudolf Steiner-Schule in Oberemmental. Später überwiegend Deutschunterricht an fremdsprachige Erwachsene an verschiedenen Sprachschulen in Basel.
• Seit 2005 Zusammenarbeit an Theater-Projekten mit Regisseuren und Theaterpädago-gen.
• Seit 2002 Publikationen von Romanen, Erzählungen, Lyrik und Theaterstücken. Veröf-fentlichungen einiger Prosa-Texte auch in tschechischer Übersetzung in tschechischen Li-teraturzeitschriften.
• Seit 2023 Dozentin für Kreatives Schreiben an: schreibszene.ch
• Auszeichnungen: Gewinnerin am Opennet-Kurzgeschichten-Wettbewerb der Solothur-ner Literaturtage 2003 und 2005. 2. Preis im Kurzgeschichten-Wettbewerb "Ober-rheinischer Rollwagen" 2003. Druckkostenbeiträge des Fachausschusses Literatur BS/BL 2005 und 2017 und der Gemeinde Riehen 2011 und 2017.
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Zitat & Kommentar #29

15.03.2026

Paul Valéry : Cahiers/Hefte 4

Kommentar Moritz Th.
ISBN: 9783100870148

Cahiers/Hefte 4_p. 490

Das Ich ist nicht die Person. Das eine kann man durch Wahnsinn verlieren, das andere behält man bis zum Nichts.

Kommentar

Die Person, das ist die Geschichte, die nicht verloren geht. Das Ich übernimmt die Verantwortung für die Geschichte, es erklärt sich für zuständig. Es tendiert dazu, sich mit der Person zu verwechseln. Im Wahnsinn oder der Demenz aber schwindet das Ich, zurück bleibt die Person. Die Ich-losigkeit ist nicht ein absolut fremdes Land. In der frühen Kindheit gibt es ein Ich erst ansatzweise. Im Traum, in der Müdigkeit, oder im Rausch entgleitet die Person dem Ich. Vielleicht auch in der Kunst. Das Ich versucht, mit weitreichenden Glaubenssätzen und auf Allgemeingültigkeit zielenden Formeln das Terrain zu festigen. In der Demenz aber kehrt das Ich nicht mehr zurück, es wird als temporärer Mitarbeiter entlassen. Die Dogmen zerbröseln.

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