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Besprechung für Der Club

Berthold H. Keine Kommentare Kommentar hinzufügen
Besprechung:

Der Roman führt die Leserschaft an die Universität Cambridge nach England und dort in den altehrwürdigen und geheimnisumwobenen Pitt Club, dem nur Männer auf Einladung beitreten können. Protagonist ist Hans, der im südlichen Niedersachsen in ländlicher Umgebung wohlbehütet aufgewachsen ist und den seine wortkarge und ein wenig rätselhafte Tante Alex, ihres Zeichens Professorin für Kunstgeschichte, an die Universität gelotst hat, damit er für sie dort unter falschem Namen Licht ins Dunkel bringt, ohne dass Hans eine Ahnung hätte, worum es sich dabei handeln könnte.

Hans hatte schon immer ein ruhiges und ernsthaftes Naturell, war bei Mädchen beliebter als bei Jungen und ist ein leidenschaftlicher Boxer. Dies ist auch der Grund, warum er es über Charlotte, der sich zunächst sehr unnahbar gebärdenden Doktorandin von Alex, und deren Vater, einen schwerreichen Upper Class-Investmentbanker aus Chelsea und ebenfalls Hobby-Boxer, in den Pitt Club schafft.

Die Welt hat dort ihre eigenen Regeln, die Hans eigentlich fremd sind, ebenso wie die Herrschaften, die im Club verkehren, eine Menge auf sich halten, aber auch nicht frei von Abgründen und Komplexen sind. Durch seine unaufgeregte, ruhige und unabhängig wirkende Art und sein Boxtalent verschafft sich Hans, der immer als der Deutsche gilt, dort zu seiner eigenen Verwunderung zunehmend Respekt.

Hans ist bei der Sache nicht ganz wohl. Er wird nicht recht schlau aus der wunderlichen Alex und ihrer scheinbar fixen Idee, in der Charlotte irgendwie involviert ist, er hält sich nicht für einen guten Lügner und will sich eigentlich nicht verstellen, sinniert dabei über Wahrheit und Widersprüche des Lebens, aber er lässt sich immer weiter schubsen, bis ihm nach und nach die Augen aufgehen.

Der Roman ist originell konstruiert, dramaturgisch durchkomponiert und die Charaktere und deren Innenwelten sind mit wenigen Strichen grandios gezeichnet, und ein besonderes Kennzeichen sind die abschnittsweise wechselnden erzählenden Personen – von Hans zu Alex zu Hans zu Charlotte zu Josh zu Angus und immer so weiter. Dies macht das Setting nicht weniger konstruiert, aber dem Autor gelingt es ausgezeichnet, sich in Denkweise, Sprache und Perspektive der jeweiligen Akteure hineinzuversetzen, zumal diese, was Hintergrund und sozialen Status angeht, ziemlich unterschiedlich sind.

Wunderbar sind auch die lakonische, schnörkellose, unprätentiöse Sprache und die sanfte Leichtigkeit, mit der der Autor nie lange in Situationen oder Gedankengängen verharrt, sondern die Leserschaft in gleichbleibendem Tempo Stück für Stück weiterträgt.

Das Buch ist ein Lesevergnügen. Lest es, es lohnt sich!

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