Autor:
Melara Mvogdobo
Verlag: Transit
Genre: Belletristik
Erscheinungsjahr: 2025
Weitere bibliographische Angaben
ISBN: 978-3-88747-416-4
Einbandart: gebunden
Seitenzahl: 128
Sprache: Deutsch
MT
Moritz Th.
Bewertungen
Besprechung
«Grossmütter» erzählt die Geschichte zweier Frauen in sehr unterschiedlichen Sphären. Die eine Ich-Erzählerin wächst in der Schweiz in bitterer Armut auf, die andere dagegen ist in Kamerun Mitglied einer angesehenen und wohlhabenden Sippe.
Beide Mädchen werden aber in vorgespurte Bahnen gezwungen, die ihrem Naturell nicht entsprechen. Sie haben keine Chance, einen eigenen Weg zu gehen und werden von ihren Eltern in Ehen mit ungeliebten Männern platziert. Sie sind damit quasi versorgt, im afrikanischen Fall gewinnbringend, in der Schweiz rettet die Ehe die Ehre der Familie; die Ich-Erzählerin hatte zuvor als junge ledige Frau bereits ein Kind zur Welt gebracht.
Es sind nur knappe Ausschnitte aus den Lebensgeschichten, mit der uns aber die Autorin zwei lebendige Porträts auf das Papier zaubert. Beide Ich-Erzählerinnen realisieren, dass sie sich in einer Kette des Unglücks bewegen, welche die Generationen verbindet. Immerhin reflektieren sie diesen Mechanismus, auch wenn sie zunächst nicht imstande sind, ihn zu durchbrechen. Erst spät finden die beiden Ich-Erzählerinnen in ihren Enkelinnen auch Gesprächspartnerinnen, die sich für ihren leidvollen Lebensweg interessieren. Die Mütter sind früh resigniert, die Väter und Ehemänner sind egoistisch und gewalttätig, einzig auf Stellung und Prestige bedacht, und darauf, Söhne hervorzubringen. Die über Jahrzehnte misshandelten Frauen bringen die Empathie nicht auf, die Ehemänner aus einer anderen Perspektive zu sehen, selbst als jene im Alter vermutlich an Parkinson und Demenz erkranken: Sind nicht vielleicht auch die Männer unglücklich gefangen in Strukturen, in einem System, aus dem sie nicht ausbrechen können? Ganz am Ende befreien sich die Frauen von ihren Ehemännern auf eine radikale Weise, die diesem Buch einen zusätzlich verstörenden Aspekt verleiht.
Melara Mvogdobo gelingt es, zwei Biographien aus höchst unterschiedlichen Kulturen in authentischer Weise darzustellen und vermittelt immer wieder mit einzelnen Sätzen Einsichten, über die sich nachzudenken lohnt. Es ist viel von Unglück, Traurigkeit und Angst die Rede in diesem Roman, aber er endet auf einer vorsichtig optimistischen Note – Veränderungen sind möglich, auch wenn frau dafür ein ganzes Leben lang kämpfen muss.
Mehr zeigen...
Beide Mädchen werden aber in vorgespurte Bahnen gezwungen, die ihrem Naturell nicht entsprechen. Sie haben keine Chance, einen eigenen Weg zu gehen und werden von ihren Eltern in Ehen mit ungeliebten Männern platziert. Sie sind damit quasi versorgt, im afrikanischen Fall gewinnbringend, in der Schweiz rettet die Ehe die Ehre der Familie; die Ich-Erzählerin hatte zuvor als junge ledige Frau bereits ein Kind zur Welt gebracht.
Es sind nur knappe Ausschnitte aus den Lebensgeschichten, mit der uns aber die Autorin zwei lebendige Porträts auf das Papier zaubert. Beide Ich-Erzählerinnen realisieren, dass sie sich in einer Kette des Unglücks bewegen, welche die Generationen verbindet. Immerhin reflektieren sie diesen Mechanismus, auch wenn sie zunächst nicht imstande sind, ihn zu durchbrechen. Erst spät finden die beiden Ich-Erzählerinnen in ihren Enkelinnen auch Gesprächspartnerinnen, die sich für ihren leidvollen Lebensweg interessieren. Die Mütter sind früh resigniert, die Väter und Ehemänner sind egoistisch und gewalttätig, einzig auf Stellung und Prestige bedacht, und darauf, Söhne hervorzubringen. Die über Jahrzehnte misshandelten Frauen bringen die Empathie nicht auf, die Ehemänner aus einer anderen Perspektive zu sehen, selbst als jene im Alter vermutlich an Parkinson und Demenz erkranken: Sind nicht vielleicht auch die Männer unglücklich gefangen in Strukturen, in einem System, aus dem sie nicht ausbrechen können? Ganz am Ende befreien sich die Frauen von ihren Ehemännern auf eine radikale Weise, die diesem Buch einen zusätzlich verstörenden Aspekt verleiht.
Melara Mvogdobo gelingt es, zwei Biographien aus höchst unterschiedlichen Kulturen in authentischer Weise darzustellen und vermittelt immer wieder mit einzelnen Sätzen Einsichten, über die sich nachzudenken lohnt. Es ist viel von Unglück, Traurigkeit und Angst die Rede in diesem Roman, aber er endet auf einer vorsichtig optimistischen Note – Veränderungen sind möglich, auch wenn frau dafür ein ganzes Leben lang kämpfen muss.
Login
Bitte einloggen um zu kommentieren
0 Kommentare
Oldest