Die Krume Brot
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Besprechung
Moritz Th.
(Notiz zum Stück am Ende der Buchbesprechung) Zu Tausenden kamen italienische Arbeiterinnen und Arbeiter in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg in die Schweiz. Viele ...
Berthold H.
Die Richtung des Romans ist von Anfang an vorgegeben: Es geht um das Unglück einer Person, aus dem es anscheinend kein Entrinnen gibt. Und der ...
Anmerkungen zu einzelnen Stellen
«Niemand weiss, wo Adelinas Unglück seinen Anfang nahm, aber vielleicht begann es lange vor ihrer Geburt …»
Eröffnungssatz, der schon viel über den Roman verrät.
«und wenn sie sich in den Finger stach, so tat sie es manchmal absichtlich.»
Der Autor skizziert die Abfolge der Generationen und ihre Traumata, es entsteht mit wenigen Strichen ein stimmiges Bild. Zwischendurch fokussiert er auf ein Detail, sowie hier auf die stickende Adelina und den Bluttropfen auf ihrem Finger.
«Unglücke geschahen keine, das Leben war das Unglück, es floss dahin und kannte nur eine Richtung, zur allmählichen Zermürbung.»
Prägnanter Satz, die kleine Familie in der Fremde.
«Sie verstand, was sie hörte, begriff, und während sie mit jeder Woche ihren Bauch wachsen sah, eine Spannung zuerst, dann eine Wölbung und schliesslich schon fast eine Kugel, verband sie die tausend Zahlen aus dem Weltempfänger zu einem Bild der Zeit, in der sie lebte, und auch diese Zeit war, zum Schluss, eine Zahl.»
Die ungebildete Adelina lernt via Weltempfänger mehr von der Welt, einer materialistischen Welt, die sich am Ende auf Zahlen reduzieren lässt, während in ihrem Uterus ein neues Leben heranwächst, eine eigene Welt.
«aber sie liebte diesen Mann nicht.»
Adelina ist Emil dankbar für alles, was er für sie tut. Aber sie kann kaum mit ihm zusammenleben, er stört sie, mitunter entwickelt sie Gewaltphantasien.
«Die Buchstaben hörten nicht auf, sie zu beunruhigen (…)»
Endlich hat Adelina gelernt zu lesen, zufällig kommt sie an eine Zeitschrift, erfährt von den Schrecknissen in der Welt. Wie soll sie das einordnen? Mit wem darüber reden? Ihr persönliches Unglück erscheint in einem anderen Licht. Aber ihre Einsamkeit intensiviert sich.
«dass sie sich geirrt hatte und Emil sehr wohl interessiert war.»
… nämlich mit Adelina zu schlafen. In Erinnerung bleiben ihr nur seine kalten Füsse, Kontrast zu der hoch steigenden «Flamme in der Nacht», wenn sie von Salvatore phantasiert.
«Es schien etwas faul zu sein, nicht nur in ihrem Leben, es schien etwas nicht in Ordnung zu sein in der Welt.»
Adelina hat – spät – lesen gelernt, und begreift, dass sie in einer Welt lebt, die von Angst und Elend geprägt ist.
«Aber es war nicht Erleichterung, es war Liebe, die Adelina für diesen mutigen und mächtigen Mann empfand.»
Renato rennt mit seinen marxistischen Thesen offene Türen bei Adelina ein, zumal er zugleich helfen will, Emma zurückzuholen.<