Eine Seuche in der Stadt
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Besprechung
Moritz Th.
In einem Gebäude «am Ende der Welt», vermutlich jenseits des Urals, experimentiert Rudolf Iwanowitsch Mayer mit gefährlichen Mikroben; es unterläuft ihm ein kleines Missgeschick, als ...
Anmerkungen zu einzelnen Stellen
«‹Aber meine Mikroben wissen das nicht.'»
Dialog im Zug; ein junger Gänsezüchter insistiert, dass alle «nach demselben Gesetz» leben, «dem marxistisch-leninistischen». Mayers lakonische Antwort.
«(…) in dem die beiden Gänse liegen – steif und tiefgefroren.»
Der junge Gänsezüchter wollte seine dank Erziehung kälteresistenten Gänse der «Akademie» vorführen… Sie auf der Zugfahrt erfrieren zu lassen: etwas billige Pointe und Metapher für den Misserfolg des Marxismus-Leninismus›, die Menschen umzuerziehen.
«Ein grosses Telefonieren beginnt.»
Ausbruch der Pest, der Staatsapparat setzt sich rasch in Bewegung, dank Telefonapparaten… «‹Alle Anweisungen erfolgen per Telefon.'», p. 41: Instrument der Kommunikation, der Kontrolle, des unmittelbaren Einbruchs in eine Sphäre.
«‹Haben Sie Listen aufgestellt?'»
Der «sehr mächtige Mann» zum Volkskommissar für Gesundheit. Das Bedrohliche des Wortes «Liste».
Die Staatssicherheit sammelt das Romanpersonal ein…
Hübsche Systematik… Erst werden die Personen eingeführt, und jetzt, da sie alle mit Mayer in Kontakt geraten sind, abgeholt.
«Hier bleibt sie bis zum Ende sitzen.»
Die Krankenschwester Tonja Sorina, von Schuldgefühlen ihrem erkrankten Mann gegenüber geplagt. Liest sich wie eine Regieanweisung, «bis zum Ende».
«Eine Warteschlange in einem Laden.»
Die sowjetische Warteschlange darf hier nicht fehlen (genauso wenig wie die Eisenbahn, s. die einschlägigen Kapitel in Schlögels «Das sowjetische Jahrhundert»), Nachrichtenbörse, Gerüchtequelle, Operationsgebiet für den Geheimdienst.