Besprechung für Tage mit Felice
Die grösste Überraschung im Roman von Fabio Andani ist, dass Felice ein Mann ist. Wieder einmal hereingefallen auf die Tücken mit italienischen Vornamen, die insbesondere in der deutschen Sprache auch für das jeweils andere Geschlecht passend wären.
Ansonsten ist der Roman nicht reich an Überraschungen. Er ist so ruhig und beschaulich erzählt, er fliesst gleichsam in sanften Bögen dahin, die Leserschaft wird geradezu tiefenentspannt und zwanglos in den Tagesablauf vom alten Felice und das gesamte Dorfgeschehen im abgelegenen Bleniotal mit hineingenommen, dass abrupte Wendungen, dramatische Volten und andrenalinfördernde Schockmomente gänzlich fehl am Platze wären.
Die grosse Erzählkunst von Andani zeigt sich auch darin, dass trotz sich wiederholender Abläufe und ohne viele spektakuläre Begebenheiten zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Hauch von Langeweile aufkommt. Der Roman liest sich wie eine Liebeserklärung an das einfache Leben, an die gewachsenen dörflichen Strukturen, an die gesamte Dorfgemeinschaft mit seinen ganz normalen und auch ziemlich skurrilen Figuren, und diese Liebeserklärung ist in keiner Weise kitschig, sentimental oder anbiedernd, sondern sie besticht in ihrer nüchternen Einfachheit, sie kommt vollkommen unaufgeregt und unprätentiös daher.
Andani zeigt eindrucksvoll, wie eine gute Geschichte auch ohne das grosse Spektakel auskommt.