Tage mit Felice
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Besprechung
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«… und meine Eltern das Haus kauften. Um in den Ferien hier heraufzukommen. Felice hat es renoviert, als ich noch ein Kind war. Jetzt ist es eine Edelhütte. Und seit einem Jahr wohne ich darin, geflüchtet aus der Stadt.»
Eine der wenigen Hinweise auf den Ich-Erzähler, der hier nicht im Zentrum steht. Es gibt also seit der Kindheit einen Bezug zu diesem Dorf im Bleniotal (und zu Felice), seit «ich» ein Kind war.
«… in den Wald gegangen, um sie zu sammeln, haufenweise, denn damals, wenn es keine Kartoffeln gab, gab es Marroni. Und umgekehrt, reden wir nicht drum rum.»
Grundnahrungsmittel der armen Leute im Tessin. Auch heute noch spielen die Marroni eine wichtige Rolle im Felices Menuplan, der hier aus seiner Kindheit erzählt.
«… dann fragt sie, aber wer schreibt Dir denn aus China?, frontal wie ein D-Zug.»
Das halbe Dorf weiss schon, dass Felice einen geheimnisvollen Brief erhalten hat. «La Radio», die ihren Spitznamen nicht ohne Grund trägt, kann ihre Neugierde nicht zügeln.
«Kaum haben wir die Nase aus dem Haus gesteckt, fängt Vittorinas Muli an zu wiehern, einen halben Kilometer weit entfernt. Es wittert uns, das Tier.»
Felice macht täglich dieselbe Tour, und grüsst und streichelt jeweils das Maultier, das ihn jetzt schon erwartet.
«… und mir wird plötzlich bewusst, dass das die ersten Worte sind, die wir an diesem Morgen miteinander wechseln.»
Der Ich-Erzähler und Felice schweigen viel zusammen.
«Und ich weiss nicht warum, aber ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass Felice selber in der Moskwa gebadet hat. Wer wohl der andere war…»
Felice erzählt, eigenartig gerührt, von seiner Reise nach Moskau, und wie er zwei Männer in grosser Kälte beim Fluss-Bad beobachtet hatte.
Kuhfladen für den Kompost
Felice sammelt trockene Kuhfladen ein, um sie zuhause auf den Kompost zu werfen. Soll guten Humus geben…
«Männchen, manierlos.»
Am Vortag hatte Candida Felice nach der Lösung für diese Kreuzworträtsel-Zeile gefragt. Jetzt sagt Felice, nachdem er zwei pissende Hunde beobachtet hattet, «Rüde» zu ihr. – Hübsch gestaltet, auch von der Übersetzerin (wie heisst das wohl im Original?).
«Eine Pendeluhr irgendwo im Haus schlägt drei und weckt uns alle.»
Wunderbare Szene eines Nachmittagsbesuches, der Ich-Erzähler und Felice bei Viola, eine weitere alleinstehende ältere Frau im Dorf. Es wird kein Wort geredet, ohne dass die Stille stören würde, man trinkt Tee und schliesslich schläft eine nach dem anderen ein.
Kapitel 7
Der Ich-Erzähler nimmt Felice mit nach Bellinzona, wo sich Felice fremd fühlt, in der Stadt, aber selbstbewusst auftritt, von Schulkindern wie ein Waldschrat angestarrt wird, der er ja auch ist, nach der Speck- und Petersiliesalbe riechend, die ihm eine Nachbarin gegen eine Muskelverhärtung verabreicht hat.
Vittorina bekreuzigt sich und steht dann da wie ein ausgestopfter Buchfink.
Im ruhigen Fluss der Tage gibt es eine dramatische Zuspitzung, Vittorinas Muli ist verstört ausgebüchst, hat einen Hund getreten, der «Wilderer» Brenno will es erstiessen, Vittorina erstarrt, zum Glück greift gleich Felice ein.