Brief 1488 F
Kurz vor Ende der langen Verlobungszeit eskaliert die Beziehung mit Marthas Bruder Eli, der das ihm anvertraute, für Martha bestimmte Finanzpolster veruntreut hat. Freud hatte sich nie mit der Familie Bernays anfreunden können, schon in früheren Briefbänden stellte er Martha vor die Wahl zwischen ihrer Familie und sich. – Sigmund hatte Martha instruiert, wie sie bei Eli das Geld zurückfordern sollte, sie war aber nach seinem Geschmack viel zu milde verfahren und liess sich mit der Aussicht auf eine Möbellieferung abspeisen. Jetzt ergreift Sigmund selbst die Initiative, in wesentlich härterem Ton, und prompt schickt Eli Martha das Geld, die aber alles andere als glücklich ist über diese Intervention des Bräutigams. Martha will den endgültigen Bruch mit Bruder Eli vermeiden, den Sigmund entschieden herbeiführen möchte. – Es ist ein jetzt hoch-emotional geführter Briefwechsel, nur Wochen vor der geplanten Hochzeit steht alles nochmals auf dem Spiel. Plötzlich ändert sich die Anrede, sie wird formeller («Lieber Sigi»), oder auch etwas herablassend («Liebes Kind»). Freud erinnert daran, dass er den Bernays sowieso nicht genug ist (polnischer Hintergrund, zu wenig fromm).