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Stelle:

Fünfzehnter Gesang

Anmerkung:

Eumaios, «der göttliche Sauhirt» (δῖος ὑφορβός, so eingeführt im 14. Gesang, Vers 48) beherbergt den verkleideten Odysseus und erzählt ihm die Geschichte seiner Herkunft. Aufgewachsen als Königssohn in einem utopisch-friedfertigen Reich, wird er als Knabe von einer Amme, die zurück in ihre Heimat gehen will, entführt – er dient quasi als Fahrgeld für die Kaufleute, auf deren Schiff die Amme aus den Diensten von Eumaios› Vater flieht. Die Kaufleute (vielleicht eher: Piraten) verkaufen Eumaios schliesslich an Odysseus› Vater Laertes, der ihn als Schweinehirt beschäftigt.

Binnenerzählung, die wichtige Motive der Odyssee variiert. Eumaios hat sein Heimweh überwunden und Ithaka als neue Heimat akzeptiert. Seine Amme dagegen, selbst ursprünglich ein Piratenopfer, greift, getrieben von ihrer Sehnsucht nach der Heimat, zu List und Verrat, um ihrem Schicksal als Sklavin zu entgehen. Das Königreich von Eumaios› Vater war nicht für alle ein Paradies. –

Die unscheinbare Hütte des Eumaios wird zu einem wichtigen Raum in der Erzählung. Hier erfährt der (verkleidete) Odysseus absolute Loyalität und wichtige Informationen zum Stand der Dinge in seinem Palast – vor allem, dass seine Frau Penelope ihm die Treue hält. Es kommt zur offenen Begegnung Odysseus› mit seiner Schutzgöttin Athene: jetzt kommt Odysseus endlich aus der Defensive, er muss nicht mehr fliehen und seinen Weg suchen, jetzt greift er seine Feinde im Palast an. Schliesslich findet auch die Begegnung mit Sohn Telemach, den er zuletzt als kleinen Knaben sah, in der Hütte des Eumaios statt. In der gesamten Erzählung konnte sich Odysseus nie vollkommen sicher fühlen und entspannen. Hier jetzt endlich schon. Er ist zuhause.

Der Erzähler spricht Eumaios direkt mit «Du» an, und zeichnet ihn damit vor allen anderen Figuren des Epos› aus.

 

 

 

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