Zweiundzwanzigster Gesang. Der Freiermord
Ein Gemetzel, das recht detailliert geschildert wird. Von leiser Komik ist der in fein austarierten Hexametern vorgetragene Austausch von Odysseus mit Sohn Telemach auch in der höchsten Hitze des Gefechts. Die Partei von Odysseus ist in der Unterzahl, aber zunächst besser bewaffnet. Ist es klug vom «Städtezerstörer», seinen beiden einzigen treuen Dienern detaillierte Anweisungen zu geben, wie sie mit dem abtrünnigen Diener Melanthios zu verfahren haben? Würde es nicht reichen, dass sie ihn einfach meucheln und schnellstmöglich wieder den kleinen Trupp Odysseus auf dem Kampfplatz verstärken? Wer so fragt, vergisst, dass Odysseus göttlichen Beistand hat, in Athene, die in der Gestalt von Mentor erscheint.
Der Erzähler zoomt bei einzelnen Szenen des Mordens nah heran, fast ist man versucht zu sagen, das sei im Hinblick auf eine Verfilmung erzählt – ausser dass noch einige Jahrtausende vergehen werden, bis der Film erfunden wird. Und apropos Film: Der am Ende siegreiche Kampf der zahlenmässig unterlegenen Helden gegen eine Horde Bösewichte scheint wie das Ur-Muster für zahllose Erzählungen und dann viele, viele Filme, als sei das eine Pflichtübung für jede Heldengeschichte.