Das Buch vom Tee
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Besprechung
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«Für den Chinesen von heute ist der Tee ein köstliches Getränk, aber nicht das ideale. Das lange Unglück seines Volkes hat ihm das Verlangen nach dem Sinn des Lebens genommen. Er ist modern, und das heisst alt und entzaubert geworden.»
1906 war Japan eine selbstbewusste imperialistische Macht, China dagegen war in vielerlei Hinsicht abhängig vom britischen Empire. Vielleicht meint das gönnerische Beiwort «modern» diese Abhängigkeit vom Westen, von dem sich Japan abzugrenzen vermochte? Okakura anerkennt, dass Japan den Tee aus China übernommen hat, zugleich insinuiert er hier, dass Japan jetzt die wahre Heimat des Tees geworden ist.
«Ein Stück antike Metallarbeit darf nicht mit dem rücksichtslosen Eifer einer holländischen Hausfrau bearbeitet werden.»
Gründliches Reinigen gehört zum Teeweg, aber man muss halt wissen, wie. – Holländer gehörten zu den ersten Europäern, die im 17. Jahrhundert Handelsbeziehungen zu Japan aufnahmen.
«Benutzt man einen runden Kessel, so muss die Schöpfkelle eckig sein.»
Ästhetik des Teeraums, gefolgt von einer leisen Polemik gegen die westliche Neigung zur Symmetrie, die ein Bild, ein Raum perfekt aussehen lässt, anstatt der Phantasie Raum für Ergänzungen zu lassen.
«Der Mensch der Urzeit, der seinem Mädchen das erste Blumengewinde brachte, unterschied sich damit vom Tier. Er wurde Mensch, weil er mehr als nur die eigentlichen Lebensnotwendigkeiten von der Natur forderte. Er trat ins Reich der Kunst ein, als er den feinen Nutzen des Nutzlosen erkannte.»
Der Teeismus als Feier der nutzenbefreiten Ästhetik. – Und wenn der Mensch der Urzeit das Mädchen für sich gewinnen konnte, weil er ihm die Blumen brachte?
«Bemerkt Ihr denn nicht, dass der wilden Blumen von Jahr zu Jahr weniger werden?»
Verlustanzeige, bereits vor hundertzwanzig Jahren.
«Es ist tatsächlich unmöglich, auch nur ein Kunstgebiet zu finden, das nicht Spuren des Genies der Teemeister trägt.»
Und nicht nur in den «Kunstgebieten» (in Architektur, Textil und Keramik beispielsweise). Sondern auch im Alltag, etwa in der Gastronomie, in der Art, wie Speisen dargereicht werden, «in allen Kleinigkeiten des häuslichen Lebens spüren wir die Gegenwart der Teemeister» (p. 92). Faszinierend, wie das Ritual einer Sekte die Ästhetik einer ganzen Nation prägen konnte, über Jahrhunderte. Wie ist das möglich?